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Sicherheit im LAN => Wireless LANs => Topic started by: admin on Sunday, 15.05.2005 12:24

Title: Testbericht Netgear RangeMax WPN824 Wireless Router
Post by: admin on Sunday, 15.05.2005 12:24
Die Idee ist faszinierend: bis zu 7 elektronische Antennen verändern ihre Abstrahlcharakteristik dynamisch je nach Umgebung, können damit auch Reflexionen an Wänden ausnutzen, und durch adaptive Richtcharakteristik für ein stärkeres Signal und eine größere Reichweite sorgen.

In vielen Gebäuden wäre schon eine Erhöhung der Reichweite um 30% ein Segen, vor allem wegen der damit einhergehenden Verbesserung der Stabilität, aber die Marketingabteilung war wohl völlig durchgeknallt, und phantasierten auf der Verpackung mit dem Slogan "Bis zu 1000% mehr Funkabdeckung und Geschwindigkeit als mit herkömmlichen 802.11g-Geräten". Damit begibt sich Netgear auf das Marketing-Niveau von Ginseng-Tonikum und Haarwuchs-Wundermitteln. Na ja, wenn´s der Kundenfindung dient...

Im Internet sind Testberichte zu lesen, die einen deutlichen Reichweitengewinn bestätigen, aber wer weiß schon zu sagen, ob die vertrauenswürdig sind, daher war ich gespannt das Gerät mal selbst auszuprobieren.

Beim Auspacken fällt sofort das schicke Gehäuse auf, das entfernt an einen Hamburger erinnert. An der Oberseite befindet sich ein blauer Leuchtdioden-Kreis, der die Funktion der Antennen symbolisieren soll, aber wohl mehr ein Marketing-Gag ist, weil er in der Tradition eines Magischen Auges die Aufmerksamkeit jedes Besuchers auf sich ziehen dürfte. Im Schlafzimmer darf man das Gerät allerdings nicht betreiben, denn die lichtstakren Leuchtdioden verantstalten eine so dramatische Lightshow, dass an Schlaf nicht zu denken ist. Die abschreckende Wirkung auf Einbrecher dürfte dagegen ein angenehmer Nebeneffekt sein.
(http://ip-forum.net/forum/images/wpn824_w350.gif)
Leider fehlt jedes gedruckte Handbuch, und nach Einlegen der CD startet sofort ein Wizard, der versucht, das Gerät einzurichten. Die Software erkannte sogar automatisch, dass am Eingang ein PPoE-Signal anstand, und erfragte gleich die T-Online DSL Zugangsdaten. Wegen einer Feheingabe der Login-Daten zum Internetprovider konnte der Wizard seine Arbeit jedoch nicht abschließen, zur weiteren Einrichtung wurde dann das klassische, manuelle Web-Tool verwendet.

Nach Korrektur der Zugangsdaten funktionierte jedoch der Wireless-Zugang immer noch nicht, es folgte eine einstündige Fehlersuche, weil in der Drahtlosen Netzwerkumgebung des XP-SP2 Computers keinerlei Wirless-Accesspoints mehr angezeigt wurden, nicht einmal mit dem vorherigen Wireless-Router. Ursache: Der Wizard hatte ungefragt den Windows XP Dienst für Wiress-Netzwerke nicht nur angehalten, sondern ihn sogar bleibend deaktiviert! (vermutlich, um selbst auf dei Wireless-Karte zugreifen zu können). Wahrscheinlich hätte der Wizard diesen Dienst nach erfolgreicher Beendigung wieder eingeschaltet, aberan einem solchen Problem wäre jeder Laie gescheitert. Ob man daraus den Schluß zieht, dass dieser Wizard einfach noch nicht ausgereift ist, oder sich in der Meinung bestätigt sieht, dass diese Wizard-Manie, die in 50% der Fälle einem absoluten Laien zwar hilft, etwas in Betrieb zu nehmen, von dessen Funktionsweise er nur andeutungsweise eine Ahnung hat, und in den restlichen 50% der Fälle selbst Profis das Leben nur noch schwerer macht, überlasse ich dem Leser.

Nach der Lösung des Problems funktionierte das Gerät einwandfrei, selbst WPA-PSK klappte auf Anhieb, gegenüber einem klassischen D-Link Wireless-Router war jedoch keine merkliche Reichweitenerhöhung zu erkennen. Man muss allerdings gleich dazu sagen, dass die Testumgebung sehr problematisch war: Im Keller befand sich der Router, im Erdgeschoss und darüberligenden Geschoss standen, durch Stahlbetondecken getrennt, die Wireless-Clients. Hätte es alternativen Signalwege bzw. Reflexionen gegeben, wäre vielleicht eine Verbesserung der Reichweite möglich gewesen. Netgear spricht etwas nebulös davon, dass zur Ausnutzung aller Features spezielle Wireless-Karten benötigt werden, andererseits betont die Firma mehrfach, dass das Gerät mit allen standardkonformen Wireless-Karten zusammenarbeiten kann. Von einer adaptiven Richtcharakteristik der Antennen hätte ich mir allerdings mehr versprochen.

Wer von diesem Gerät also bei der Durchdringung mehrerer Stahlbetondecken eine Verbesserung erhofft, sollte also gewarnt sein, ich konnte das nicht verifizieren. Da dieses Gerät wegen seiner elektronischen Antennen nicht über einen externen Antennenanschluß verfügt, sollte man auch bedenken, dass damit im Gegensatz zu manchen anderen Geräten auch keine Option besteht, notfalls noch eine externe Antenne anzuschließen.

Trotz der enttäuschenden Performance (die natürlch alles andere als repräsentativ ist) und dem üblen Installer-Bug, macht das Gerät insgesamt einen sehr guten Eindruck und ist seinen Preis wert, wenn man auf 812.11a verzichten kann.