Author Topic: Überwachung des Schulwegs als Schutz vor Entführung?  (Read 10809 times)

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Überwachung des Schulwegs als Schutz vor Entführung?
« on: Saturday, 15.01.2005 13:34 »
Ein Schul-Distrikt in Spring, Texas, verwendet ID-Karten, die online Informationen über den Aufenthaltsort des Kindes drahtlos zum Polizeihauptquartier schicken. Eine andere Schulgemeinde macht das gleiche mit Fingerabdruck-Lesern.

Nicht nur der bekannte Security-Spezialist Bruce Schneier fragt sich in seinem jüngsten Report, ob die zuständigen Leute ihren Verstand verloren haben, und fällt ein vernichtendes Urteil über diese Schnapsidee.

Die Wahrscheinlichkeit eines US-Kindes durch ein Familienmitglied vergewaltigt zu werden, ist 1 zu 340, durch einen Fremden 1 zu 1200 pro Jahr (Statistik von 1999). Kaum eine Entführung hatte bisher etwas mit Schulbussen zu tun. Das Sicherheitssystem setzt also alles als zielgenau an.

Würde das System im Falle einer tatsächlichen Entführung wichtige Hinweise geben? Vielleicht etwas schnellere Information, falls der Busfahrer, oder die Klassenkameraden von der Entführng nichts mitbekommen. Man könnte sich einen Film-Plot ausdenken, in dem genau das der entscheidende Hinweis ist, in der Realität aber eher nicht.

Welche Kosten und Nebenwirkungen hat das System? Jedes Kind und jeden Schulbus mit ID-Karten, Lese- und Funkgeräten auszustetten, alle Polizeidienststellen mit Computersystemen auszurüsten, die diese Informationen sammeln, vor fremdem Zugriff schützen, aber gleichzeitig schnell an berechtigte Personen ausgeben, dürfte eine Menge Geld kosten, das durch Bewachung von Schulen, Erziehungsprogramme usw. besser angelegt wäre.

Nicht in Geld zu messen ist der Verlust an Privatspäre. Wollen wir, dass unsere Kinder es als normal empfinden, dass jeder ihrer Schritte online überwacht wird? Wer stellt sicher, das diese Überwachungsdaten nicht in falsche Hände fallen? Wiegt uns ein technisch perfektes, aber de-facto ineffektives Überwachungssystem nicht in trügerischer Sicherheit?

Warum also haben sich die Schulbezirke auf solch einen Humbug eingelassen? Schneier vermutet neben der Möglichkeit schlichter Inkompetenz das von ihm des öfteren beschriebene Prinzip der Verantwortungsverschiebung: Falls wirklich einmal etwas passieren sollte, kann die Schulaufsicht von sich sagen, alles machbare veranlasst zu haben. In diesem Sinne dient ein solches System also weniger der Sicherheit unserer Kinder, sondern der rechtlichen Absicherung der Schulaufsicht.