Author Topic: wie lange anhand einer geloggten ip-adresse persönliche daten rausfinden?  (Read 9546 times)

Offline djm193

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hallo!
habe schon die suche bemüht aber nix gefunden!

wenn meine ip von einer site geloggt wurde, wie lange kann dann derjenige der sie geloggt hat was mit der ip anfangen...ich meine, wie lange könnte er, sollte er vom Gericht die erlaubnis haben den provider dazu zwingen meinen namen usw... herauszugeben. habe schon gelesen dass t-online ca 80 tage die daten speichert und arcor ca 2wochen...dann habe ich aber irgendwo gehört dass bis zu einem halben jahr die daten gespeichert werden?! -> verwirrung komplett  ???
und dann wüsste ich noch gerne, was denn gespeichert wird? also, kann man zum beispiel nachvollziehen, ob man anmeldeformulare ausgefüllt hat, oder auf welchen sites man war?

wäre sehr nett wenn mir die fragen jmd beantworten könnte, da ich für die schule ein referat über ip- adressen und vergabe zu halten habe und diese fragen mich noch beschäftigen.

mfg

mille

Offline Goldhamster

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Hallo Mille,

bisher haben die Internet-Zugangs-Provider diese Information für 90 Tage aufbewahrt. Nach der neuen EU-Richtlinie müssen es jdemnächst edoch mindestens (!) 6 Monate sein. Der Provider wird im Zweifelsfall alle Informationen über Dich herausrücken, die er hat. Ein Internet-Zugangsprovider also imindestens Deinen Namen, Anschrift und Bankverbindung.

Was noch schlimmer ist: Justizministerin Zypries plant, die Herausgabe von Daten zukünftig noch einfacher und umfassender zu gestalten, also z.B. auch gegenüber "Berechtigten Dritten" beim begründeten Verdacht auf zivile Rechteverletzung.

Das wird ausgehen, wie das Hornberger Schießen: Terroristen und Schwerkriminelle wird man damit kaum fangen, es sei denn, sie sind sträflich bescheuert. Viele aufgeklärte Bürger werden darin einen weiteren Schritt zum Überwachungsstaat sehen und sich durch Verschlüsselung oder Anonymisierungsdienste zu schützen wissen, und die unbedarften, jungen Internet-Benutzer sind die Dummen.

Offline djm193

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halo!
danke für die antwort. aber ab wann gilt denn die neue richtlinie? hat jemand links zu solchen seiten auf denen da mehr erklärt wird?
im moment ist es doch aber so, dass nur auf richterlichen beschluss die daten rausgrückt werden oder?

mfg

Offline Cheffe

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Ja, wenn eine Straftat vorliegt.
Der Weg bis dahin ist lang.

Offline Netzmurmel

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Was noch schlimmer ist: Justizministerin Zypries plant, die Herausgabe von Daten zukünftig noch einfacher und umfassender zu gestalten, also z.B. auch gegenüber "Berechtigten Dritten" beim begründeten Verdacht auf zivile Rechteverletzung.



Es sollte viel einfacher gemacht werden so das man einfach die IP-Adresse in eine Datenbank eintippt und dann sieht wer - inklusive Adresse und DSL-Anschluss - die letzten 6 Monate damit online war. Das wäre endlich einmal richtig sinnvoll.

Offline tankwart

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@netzmurmel

Die IP-Adressen für jedermann abfragbar und öffentlich zu machen ist ein interessanter Gedanke. Er würde vor allem das rechtliche Chaos beseitigen, das sich aus der verschärften Speicherungs- und Auskunftspflicht gegenüber Behörden, dem am 1.3.2007 in Kraft getretenen Telemediengesetz (das die Speicherung von IP-Adressen in den üblichen Webserver-Logfiles de-facto verbietet) und dem Wunsch jedes Webseitenbetreibers auf Möglichkeiten zur Missbrauchs-Abwehr und statistischer Anlalyse ergibt.

Wo die Entwicklung hin geht, kann man an den Äußerungen der Datenschutzbeauftragten sehen, die dazu anmerken:

„Wenn z.B. für Inhalte-Anbieter der Personenbezug von IP-Adressen verneint und das TDDSG beziehungsweise die TDSV nicht für anwendbar erklärt werden, hätte dies nicht nur die mit dem Grundrechtsschutz unvereinbare Konsequenz, dass der Diensteanbieter die Daten unbegrenzt selbst verarbeiten oder nutzen könnte, sondern er dürfte diese Daten auch ohne Restriktionen an Dritte übermitteln, die ihrerseits die Möglichkeit hätten, den Nutzer aufgrund der IP-Adresse zu identifizieren. Es bedarf keiner näheren Begründung, dass dies dem Schutzgedanken des Datenschutzrechts diametral zuwiderlaufen würde.“

Ich prophezeihe Dir, wir werden uns hier in typisch deutscher Regulierungswut in einem unentwirrbaren Geflecht komplizierter Regelungen wiederfinden, die völlig unpraktikabel sein werden, viel Arbeit machen, ein weiteres Betätigkeitsgebiet für Abmahnanwälte bieten und zum Schluss den Datenschutzgedanken an sich als hinderlich und bürokratisch diskreditieren. Und alle Beteiligten werden jammern, sie wollten nur das Beste!
« Last Edit: Saturday, 03.03.2007 11:24 by tankwart »