Da mit Netware 6.5 offenbar die Verantwortung für das Memory Management vom Betriebssystem auf den Netzwerkadministrator übergegangen ist, hier ein paar aktuelle Hinweise und Tips:
Es gibt einen von Novell inoffiziell bestätigten Bug, der auf vielen Netware 6.5 SP3-Systemen mit NSS Volumes dafür sorgt, dass der verfügbare Speicher und / oder der Logical Address Space im Laufe von Tagen oder Wochen stetig abnimmt, bis der Server sich am Ende in einer Serie von Abends ganz verabschiedet. Wir haben beobachtet, dass dieses Phänomen stark von der File-Last abhängt: Mit einem bestimmten Endlosskript mit NCOPY / COPY-Befehlen kann man einen Server sogar innerhalb von 24h in die Knie zwingen. Zur Behebung dieses Problems ist eine neue SERVER.EXE-Datei in Vorbereitung, die jeden Moment herauskommen wird. Im Notfall schickt Novell auf Anfrage auch ein pre-Beta-Release dieser Datei zu.
Schon sehr viel früher kann es passieren, dass der verfügbare Logical Address Space durch Fragentierung zu klein wird. Bei Servern mit wenig physischem Speicher kann dem entgegengewirkt werden, wenn der (verborgene) Set-Parameter
File Cache Maximum Size kleiner als den Default-Wert von 1610612736 gesetzt wird, aber Achtung: 1073741824 ist der Minimalwert!
Auf einem Server mit weniger als 2GB physischem Speicher, NSS-Volumes und vielen anderen Diensten (Backup, Antivirus, Zenwors usw.) ist aber ein Hauptproblem, dass der Default-Wert für den Prozentsatz an Speicher, der NSS zugeteilt wird, mit 85% viel zu hoch eingestellt ist. Der momentane Wert lässt sich an der Serverkonsole mit dem Befehlt
NSS status ablesen ("NSS cache percent"), oder noch schöner mit dem SEG.NLM. Insbesondere wenn in der Server-Health-Anzeige vom Remote Manager / Netware Portal der Wert für "Available Memory" dauerhaft unter 100MB sinkt, muss der Prozentwert abgesenkt werden. Mit dem Konsolen-Befehl
nss /cachebalance=70% wird NSS beispielsweise veranlaßt, nur 70% statt der üblichen 85% des Speichers als Cache zu requirieren. Im Health Monitor kann man sofort sehen, wie im Gegenzug der Wert für "Available Memory" steigt.
In einem aufgerüsteten Server mit klassischem Netware-Filesystem kann der Wert ohne weiteres noch weiter abgesenkt werden, was der Performance für Server-Anwendungen und auch Java-Funktionen zugute kommt. Zu niedrig sollte man ihn aber auch nicht einstellen, denn je weniger Cache man NSS zubilligt, desto geringer wird die NSS-File-Performance. Novell hat dien Default-Wert abischtlich so hoch eingestellt wird, weil NSS den allokierten Speicher bei Bedarf sehr wohl dynamisch freigeben kann, und theoretisch auch klassische Anwendungen jederzeit bedient werden können, aber genau das scheint nicht wie geplant zu funktionieren.
Das Zusammenspiel der verschiedenen Memory-Pools ist mit der Umstellung auf virtuelle Speicherverwaltung recht kompliziert geworden, und da das interne Tuning wohl selbst Novell etwas aus dem Ruder gelaufen ist, sollte man sehr vorsichtig mit Änderungen sein. Ganz nützliche Informationen gibt es in
TID10091980 und
TID10096649